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Entlassung eines Patienten ohne ausdrücklichen Hinweis auf Nachbesserungs-bedürftigkeit des Zahnersatzes: grober zahnärztlicher Behandlungsfehler

Das Oberlandesgericht Hamm hat entschieden, dass ein Zahnarzt grob behandlungsfehlerhaft handelt, wenn er einen Patienten aus der Behandlung entlässt, ohne ihn darauf hinzuweisen, dass eine von ihm eingesetzten Brücke nachbesserungsbedürftig ist.

 

In dem Fall, den das OLG Hamm zu entscheiden hatte, ging es um einen Mann, der sich eine Brücke in den Oberkiefer eingliedern ließ. Die Brücke wies aber eine Stufe zwischen den natürlichen Zähnen und der künstlichen Krone auf, die Kronenränder standen ab. Der Kläger hatte hierdurch insbesondere Schmerzen sowie Entzündungen im Mundraum und Beschwerden beim Essen und Trinken. Er stellte sich erst ca. ein Jahr später wieder in der Praxis des Beklagten vor und schilderte diesem seine Beschwerden. Der Beklagten und ließ sich bei einem anderen Zahnarzt weiterbehandeln.

 

Das Gericht hat entschieden, dass der beklagte Zahnarzt den Kläger fehlerhaft behandelt hat. Die Brückenkonstruktion sei mangelhaft gewesen, sie habe nicht den normalen Qualitätsanforderungen entsprochen. Aufgrund von Ungenauigkeiten bei der Herstellung der Brücke standen die Kronenränder zu weit ab, was für den Beklagten vor der Eingliederung der Brücke erkennbar gewesen wäre. Die gleichwohl vorgenommene Eingliederung der Brücke habe nicht dem zahnärztlichen Standard entsprochen.

 

Der Beklagte konnte sich auch nicht mit Erfolg darauf berufen, dass sich der Kläger erst ein Jahr nach der Eingliederung der Brücke wieder in seiner Praxis vorgestellt hat und dem Beklagten deshalb keine ausreichende Nachbesserungsmöglichkeit gegeben worden sei. Das Gericht war der Auffassung, dass ein ausdrücklicher Hinweis des beklagten Zahnarztes gegenüber dem Kläger erforderlich gewesen wäre, dass die Behandlung noch nicht abgeschlossen, eine Nachbesserung der Brücke notwendig ist. Er hätte den Kläger alsbald erneut in seine Praxis einbestellen müssen, um den Mangel an dem Zahnersatz zu beseitigen. Der Beklagte habe sich nicht darauf verlassen können und auch nicht dürfen, dass sich der Kläger von sich aus wieder beim Beklagten vorstellen würde. Das Gericht war der Auffassung, dass das Vorgehen des beklagten Zahnarztes grob behandlungsfehlerhaft war.

 

Das OLG Hamm hat dem Kläger ein Schmerzensgeld in Höhe von 1.000,00 € zugesprochen.

 

(Oberlandesgericht Hamm, Urteil vom 12. September 2014, Az. 26 U 56/13)

 

 

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